Die seit März gekündigte Vorsitzende des Jugendverband Rebell Lisa Gärtner kämpfte im Prozess mutig gegen ihre Kündigung von der Leiharbeitsfirma “Adecco”. Die Kündigung war politisch motiviert. Sie hatte mehrere weitere Leiharbeiter für einen Aktionstag der IG Metall gewonnen, der sich gegen die Ausbeutung von Leiharbeitern richtete. Sie ist eine bekannte Marxistin-Leninistin und Gewerkschafterin, die ihre Meinungen klar vertritt. Das können Adecco und der Autozulieferer TRW natürlich gar nicht gebrauchen, wenn ein Großteil ihrer Produktion auf der Ausbeutung von Leiharbeitern basiert.
Der Prozess begann hochpolitisch: Nachdem Adecco in den vorherigen Schriftsätzen nicht nur angezweifelt hatte, dass der Marxismus-Leninismus eine Weltanschauung ist, nicht nur bestritten hatte, dass Lisa sie vertritt, sondern auch dass Lisa “überhaupt eine Weltanschauung hat”, legte die Richterin dar, dass sie zu einer anderen Meinung als Adecco gekommen sei: Der Marxismus-Leninismus sei durchaus eine Weltanschauung, weiterhin sei Lisa Gärtner Mitglied im Jugendverband REBELL, der eben diese Weltanschauung vertrete. Wichtig: Denn so sieht das die Rechtssprechung in der Regel nicht – da gelten nur Religionen und ähnliches als Weltanschauung.
Die Geschäftsleitung von Adecco war sich ihrer Sache anscheinend schon nicht mehr so sicher und gab dem Prozess eine erhöhte Bedeutung – so erschien dieses Mal der “Arbeitsdirektor des Konzerns”, wie er sich bescheidenerweise vorstellte. Adecco hatte nun vor Gericht behauptet, es seien nur wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend für die Kündigung und dass für Lisa keine Arbeit mehr da wäre. Doch diese Darlegung fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen: So hatte Adecco am Tag von Lisas Kündigung einen anderen für sie eingestellt. Richtig war zwar, dass im März verschiedene Leiharbeiter bei Adecco ausgeschieden sind, jedoch nicht weil sie gekündigt wurden, sondern auf eigenen Wunsch: Weil sie nämlich bei TRW übernommen wurden, wo dringend Leute gebraucht wurden. Adecco widersprach sich wiederholt selbst – jedem im Raum war klar, das Adecco log. Trotzdem wies das Arbeitsgericht Gelsenkirchen am 06.09. Lisas Klage ab. Die schriftliche Begründung steht noch aus. Jedoch schien es so, dass Lisa diesen Prozess nicht gewinnen durfte. So stellte die Richterin gegen Ende des Prozesses plötzlich Beweisanforderungen, von denen vorher nie die Rede gewesen war. Beispielsweise sollte bewiesen werden, dass nicht nur die Geschäftsleitung von Adecco, sondern auch die von TRW Lisas Weltanschauung kannte, dass der Geschäftsführer von Adecco am Leiharbeiteraktionstag der IGM wirklich Blickkontakt mit Lisa gehabt hätte usw.
Der ganze Vorgang war für jeden im Saal klar erkennbar politisch motiviert – nun wurden jedoch Beweise verlangt, die unmöglich zu erbringen sind.
Ein Gewerkschafter aus Köln, der extra nach Gelsenkirchen zum Prozess kam, um mit den anderen 26 Besuchern Lisa solidarisch den Rücken zu stärken, brachte es auf den Punkt: “Sauerei! Eigentlich wird jedem klar, dass Lisa aufgrund ihrer marxistisch-leninistischer Weltanschauung und der Wahrnehmung ihrer Rechte gekündigt wurde, aber der verlangte Nachweis ist einfach unaufbringbar!”
Lisa, unterstützt auch von ihrem Anwalt Frank Stierlin, hat sich klasse geschlagen und als Ermutigung für viele Jungarbeiter den Kampf aufgenommen.
Jeder, der sich mutig in die erste Reihe stellt, und den Kampf gegen weltweit agierende Konzerne aufnimmt, der braucht die solidarische Unterstützung und muss wissen, dass es Kollegen, Freunde, Familie, MLPDler und Rebellen gibt die 100% hinter ihr stehen. Lisa wird unterstützt vom im Solikreis “Mutige Marie und Lisa”, wo dieser Kampf gemeinsam organisiert wird. Jeder kann sich einbringen, vorbeikommen und sie unterstützen. So werden z.B. noch Spenden benötigt um die Prozesskosten zu tragen.
Macht diesen Fall, sowie den von Marie Bauer, die als Jugendvertreterin nicht übernommen werden soll, breit bekannt!
Es ist wichtig, so ein Unrecht nicht hinzunehmen und für sein Recht zu kämpfen. Nach den vielen Prozessen, die rebellische Jugendliche im Kampf um ihren Arbeitsplatz zurecht geführt haben und dennoch das Gericht so oft zugunsten der “unternehmerischen Freiheit” entschied, machen wir uns keine Illusionen in die “Rechtsstaatlichkeit” der BRD! Die Solidarität – neben der Montagsdemo, REBELL & MLPD, Courage, Gewerkschaftern aus den bisherigen Betrieben in denen Lisa gearbeitet hat sogar aus der Ukraine, Peru und Spanien! – sowie die entstehende gewerkschaftliche Bewegung gegen Leiharbeit sind das entscheidende, zukunftsträchtige.

